Bestandsschutz im AntiDHG ab 01.01.2020

Ab dem 1. Januar gilt die neue Bestandsschutzregelung. Ein langer schwerer Weg liegt hinter uns bis dieser Punkt unseres Forderungskatalogs in das Anti-D Hilfegesetz durch den Gesetzgeber aufgenommen wurde. Am 21.10.2019 wurden im Rahmen der Anhörung bei dem Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages durch unseren Rechtsanwalt Ingo Klee die wichtigen Eckpunkte zu den vorher eingereichten Vorschlägen und Anregungen zur Novellierung des AntiDHG erläutert. Im November 2019 wurde der Entwurf der Bestandsschutzregelung als Gesetzesänderung mit dem neuen § 7a AntiDHG durch den Bundesrat beschlossen.

Weshalb war dieser Bestandsschutz dringend nötig? Ca. 6773 Frauen wurden in der DDR in den Jahren 1978/79 durch konterminiertes Anti-D Prophylaxe-Serum, welches Hepatitis-C-Viren enthielt schwer geschädigt mit verheerenden Folgen für ihre Gesundheit, unter denen sie noch bis heute leiden und auch in der Zukunft weiterhin leiden werden. Ihnen wurde nach einer antiviralen Therapie der bisherige Grad der Schädigung gekürzt oder gestrichen, die Anti-D Rentenleistungen fielen somit weg. Ca. 85% leiden an chronischen Gesundheitsstörungen, welche selbst nach der Therapie fortbestehen, da die Betroffenen über Jahrzehnte durch das Virus geschädigt wurden.

Mit unseren Rechtsanwalt Ingo Klee haben wir einen Fachanwalt an unserer Seite, der sich mit dem spezifischen Thema explizit auskennt. Herr Klee begleitet viele betroffene Frauen in den neuen Bundesländern auf ihrem langen Weg durch die Verwaltungsinstanzen und die Sozialgerichtsbarkeit.

Wir als Deutscher Verein Anti-D HCV-Geschädigter e.V. möchten uns an dieser Stelle sehr herzlich für Ihre Arbeit bedanken! Es bedarf auch zukünftig qualifizierter rechtlicher Beratung und Vertretung bei der Anwendung des AntiDHG in der Praxis.

Gesetz über die Hilfe für durch Anti-D-Immunprophylaxe mit dem Hepatitis-C-Virus infizierte Personen (Anti-D-Hilfegesetz – AntiDHG) § 7a Bestandsschutz

(1) Berechtigte nach § 1 Absatz 1 Satz 1 erhalten die monatliche Rente nach § 3 Absatz 2 weiterhin in der für den letzten bei ihnen festgestellten Grad der Schädigungsfolgen vorgesehenen Höhe, wenn nach dem 31. Dezember 2019 auf Grund einer Neufestsetzung des Grades der Schädigungsfolgen eine niedrigere oder keine Rente zu leisten wäre.

(2) Berechtigte nach § 1 Absatz 1 Satz 1 erhalten die monatliche Rente nach § 3 Absatz 2 auf Antrag in der Höhe, die für den vor dem 1. Januar 2014 zuletzt bei ihnen festgestellten Grad der Schädigungsfolgen vorgesehen ist, wenn auf Grund von Neufestsetzungen des Grades der Schädigungsfolgen ab dem 1. Januar 2014 bis einschließlich 31. Dezember 2019 eine niedrigere oder keine Rente zu leisten war. Wurde der Antrag nach Satz 1 bis zum Ablauf des 30. Juni 2020 gestellt, besteht der Anspruch ab dem 1. Januar 2020, andernfalls ab dem Ersten des Monats, in dem der Antrag gestellt wurde.

(3) Anpassungen nach § 8 bleiben von den Absätzen 1 und 2 unberührt.

25 Jahre Deutscher Verein Anti-D HCV-Geschädigter e. V.

Am 11.02.1995 wurde unser Verein unter dem Namen Deutscher Verein HCV-Geschädigter e. V. in Leipzig aus Selbsthilfegruppen gegründet. Nach dem uns Frauen durch die Einsicht in die Gerichtsakten des Anti-D-Geheimprozesses bewusst geworden war, welches Unrecht uns vorsätzlich durch das Gesundheitswesen der ehemaligen DDR zugefügt wurde.

Es folgten Jahre des Kampfes um eine gerechte Entschädigung, der an uns verübten Arzneimittelstraftat, mit Briefaktionen an die Politiker, Demonstrationen in Bonn und Berlin und Petitionen an den Bundestag und die Länder.

Oft schien unser Kampf erfolglos zu verlaufen, dann endlich wurde uns im Jahre 2000 ein für uns leider unbefriedigendes Anti-D-Hilfegesetz vorgelegt. Es hieß in Berlin, nehmt es an oder ihr bekommt gar nichts. Wir nahmen es in der Verzweiflung eines Ertrinkenden an. So ging unser Kampf weiter unter der Umbenennung unseres Vereins in Deutschen Verein Anti-D HCV-Geschädigter e. V. Wieder erfolgten Briefaktionen, Demonstrationen, Petitionen, persönliche Gespräche mit Politikern, die Aufarbeitung unserer Arzneimittelstraftat durch einen Wissenschaftler und eine enge Zusammenarbeit mit den Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Wir konnten 2019 einen Teilerfolg verbuchen, d. h. für eine festgelegte Zeitspanne besteht Bestandsschutz, sodass die Herabstufung durch die Ämter gestoppt wurde.

Doch sind nicht alle Unzulänglichkeiten des Anti-DHG aus dem Weg geräumt und es gilt weiterhin zu kämpfen, um allen Frauen eine gerechte Entschädigung zu teil werden zu lassen.

 

Workshop in Bad Schlema 2018

Das Thema der künstlerischen Traumabewältiging war dieses Mal, dass wir Frauen ein Selbstporträt von uns gestalten konnten, so entstanden unter Anleitung der Kunst -Therapeutin Frau Ursula Hermann -Jensen aussagekräftige Porträts, sie zeigen die Zerrissenheit, die Ausweg-und die Machtlosigkeit von uns.

Leberkrebs nach Hepatitis C-Behandlung: Gibt es einen Zusammenhang?

Leberkrebs nach Hepatitis C-Behandlung: Gibt es einen Zusammenhang?

fzm, Stuttgart, Mai 2017 – Führende Leberexperten rätseln derzeit darüber, warum einige Menschen, die mit modernen Medikamenten von einer Infektion mit dem Hepatitis C-Virus geheilt wurden, kurze Zeit später an Leberkrebs erkranken. Forscher aus Barcelona vermuten in der Fachzeitschrift „Seminars in Liver Disease“ (Thieme Publishers, Stuttgart 2017), dass die Heilung der Virusinfektion die körpereigene Krebsabwehr in der Leber schwächt.

Die Behandlung der Hepatitis C hat sich in den letzten Jahren verbessert: Neue direkt wirksame antivirale Wirkstoffe (DAA), die die Virusvermehrung in den Leberzellen blockieren, können die Infektion auch dann noch zuverlässig zur Ausheilung bringen, wenn die Leber bereits stark geschädigt ist. Auch Patienten, die bereits einmal Leberkrebs, eine Spätfolge der chronischen Hepatitis, überwunden haben, werden erfolgreich behandelt.

In einer früheren Studie berichteten Maria Reig und Zoe Mariño vom „Hospital Clínic de Barcelona“, dass 21 von 77 Patienten, bei denen zunächst ein Leberkrebs erfolgreich behandelt worden war, nach einer späteren Ausheilung der Hepatitis C erneut an Leberkrebs erkrankten. Inzwischen sind 24 Patienten betroffen. Der hohe Anteil von mehr als 31 Prozent, die rasche Rückkehr der Krebserkrankung und vor allem ein äußerst aggressives Wachstum der Tumore alarmierte die beiden Forscherinnen. Sie diskutieren seither mit ihren Kollegen darüber, ob es einen Zusammenhang mit der Behandlung mit DAAs gibt. Die Frage war zuletzt im April auf dem „International Liver Congress“ (ICL) der „European Association for the Study of the Liver“ in Amsterdam ein zentrales Thema. Weitere Forscher präsentierten Fallberichte, die zu einem ähnlichen Schluss wie Reig und Mariño kamen. Andere führen die Häufung von Krebserkrankungen allein darauf zurück, dass mit den neueren Mitteln zunehmend auch ältere Patienten mit bereits fortgeschrittener Leberzirrhose behandelt werden. Mit zunehmendem Alter und zunehmender Dauer der Infektion steige jedoch das Risiko auf eine Krebsentstehung. Dies allein könnte nach Ansicht der Kritiker die Häufung und das rasche Krebswachstum erklären.

Reig und Mariño stellen in „Seminars in Liver Disease“ eine weitere Vermutung auf, die sie ebenfalls beim ILC präsentierten: Die chronische Hepatitis habe zur Folge, dass sich vermehrt Abwehrzellen in der Leber aufhalten, darunter auch solche, die eine latente Krebserkrankung in Schach halten. Der schnelle Behandlungserfolg durch DAA und das Abklingen könne dazu führen, dass sich die Abwehrzellen zurückziehen und der Leberkrebs sich ungehemmt entwickeln kann.

In Deutschland wurden dem Robert Koch-Institut im Jahr 2015 4.887 Erkrankungen gemeldet. Die Zahl der Betroffenen könnte jedoch wesentlich höher sein, denn viele Patienten merken zunächst nichts von der Infektion. Der Erfolg der Hepatitis C-Behandlung mit DAAs hat dazu geführt, dass möglichst viele Patienten, die vorher auf Grund der starken Nebenwirkungen von der Behandlung mit Interferon ausgenommen waren, mit diesen Wirkstoffen behandelt werden. Reig und Mariño hoffen, dass durch weitere Studien genauer definiert werden kann, für welche Patienten ein erhöhtes Krebsrisiko besteht.

Reig et al.: Liver Cancer Emergence Associated with Antiviral Treatment: An Immune Surveillance Failure? Seminars in Liver Disease 2017; efirst (7. April 2017)

https://www.thieme.de/de/presse/leberkrebs-hepatitis-c-behandlung-115037.htm

Workshop in Bad Schlema 2017

Der Work Shop 2 wurde erstmalig von einer Kunst-Therapeutin, Frau Ursula Hermann –Jensen, betreut. Die Bilder entstanden unter dem Thema „Wie gehe ich mit der an mir verübten Arzneimittelstraftat um, welche Gefühle verbinde ich mit der Zeit 1978/79“.  So konnten sich die betroffenen Frauen zum ersten Mal nach jahrelanger Verdrängung des Traumas  öffnen und es auf Leinwand bringen. Es entstanden sehr aussagestarke Bilder.