Chronik zur Anti-D-Arzneimittelstraftat 1978/79

1979-1990- Die DDR-Regierung verheimlicht den geschädigten Müttern die Straftatursache ihrer chronisch schwer verlaufenden Krankheit. Frauen, die auf Quarantänestationen eingewiesen waren und den Mut aufbrachten, Eingaben an die DDR-Regierung zu schreiben, werden z.T. nach Prüfung nach dem GÜK der DDR durch die Staatliche Versicherung der DDR anerkannt.

03.10.1990- Trotz Kenntnis der Arzneimittelstraftat erfolgt per Einigungsvertrag die Übernahme der AntiD-Straftatopfer fälschlicher Weise als sogenannte „Impfschadensfälle“ in das Bundesversorgungsgesetz für die geschädigten Frauen, die bis dahin registriert waren. Es erfolgt keine Information an weitere geschädigte bis dahin nicht erfasste Frauen.

Juni 1992- Das BIBT Halle wird abgewickelt.

1993- Durch Unterstützung einer Zeitung gelingt es, erste Kontakte von geschädigten Frauen untereinander aufzubauen. Die Gründung der Selbsthilfegruppe Leipzig wird vollzogen.

Ende 1993- Die Anti-D-Geschädigten erhalten erstmals die Möglichkeit, in ihre Krankenakten einsehen zu können. Diese Akteneinsicht zeigt, dass von der Staatlichen Versicherung nachweislich stark „bereinigte“ DDR-Akten (fehlende Seiten gem. laufender „DDR“-Blattnummern) an die Versorgungsämter weitergegeben wurden.

Ende 1994- Auf Druck durch die Betroffenen, nach vielen Gesprächen und umfangreichen Korrespondenzen mit Landes- und Bundespolitikern kann nun die Anti-D-Arzneimittelstraftat öffentlich gemacht werden.
Weitere geschädigte Frauen erhalten Benachrichtigungen von den Gesundheitsämtern, sich in den Versorgungsämtern untersuchen zu lassen und erfahren somit erstmals, dass sie chronisch krank sind. Ihre jahrelangen physischen und psychischen Leiden können damit eingeordnet werden.

Februar 1995– MONITOR-Sendung vom 16.02.1995 lautet: „Hepatitis C“.

11. Ferbruar 1995- Gründung des Deutschen Vereins HCV-Geschädigte e. V. in Leipzig

März 1995- Nach erheblichen Schwierigkeiten erhält nunmehr  der Deutsche Verein HCV-Geschädigter e. V. erstmals Einsicht in die umfassende Anti-D-Prozessakte des Bezirksgerichtes Halle von 1979.

Mai 1995- Große Anfrage der SPD an die Bundesregierung zur Anti-D-Problematik

Oktober 1995- Antwort der Bundesregierung: Das Bundesseuchengesetz ist als Versorgungssystem in der Lage, die Geschädigten ausreichend zu versorgen

Januar 1996- Einreichen von Petitionen betroffener Frauen an den Petitionsausschuss des Bundestages: Frage nach der Handlungspflicht der Bundesregierung in Sachen Anti-D

Juni 1996- es wird aus Vertretern aller Selbsthilfegruppen, dem Deutschen Verein und dem Bundesverband eine Arbeitsgruppe gebildet, welche zusammen mit den Rechtsanwalt und den SPD- Abgeorneten gemeinsam für eine gerechte Entschädigungslösung eintreten

Juli 1996- Pressekonferenz in Bonn, Übergabe des juristischen Gutachten an die Bundesregierung: Eine verfassungsrechtliche Handlungspflicht des Gesetzgebers zu einer Entschädigungsregelung ist eindeutig gegeben.

November 1996 – Bundestagsdebatte zur Anti D-Problematik auf Antrag der SPD-Fraktion.
Bedingung der Bundesregierung: Alle Bundesländer müssen sich an der Entschädigungsregelung beteiligen.